Jahrgang

Dass sich Menschen, die zeitgleich ein Studium beginnen und einen gemeinsamen Studienverlauf erleben, als einem Jahrgang zugehörig begreifen, liegt auf der Hand. Im Fachbereich Architektur half dabei noch, wie die Diplomandinnen und Diplomanden eines Semesters - mit sich über die Jahre wandelnden Praktiken - die Abschlussphase ihres Studiums gemeinsam ausgestalteten. Den quasi offiziellen Rahmen dieser gemeinschaftlichen Aktivitäten bildeten beispielsweise in den Neunzigerjahren die einleitende Ausstellung der bisherigen Studienarbeiten (Meldeausstellung) und die abschließende öffentliche Vorstellung und Bewertung der Diplomentwürfe durch die Professorinnen und Professoren vor großem Publikum im Auditorium Maximum.

Zu den wiederkehrenden Ritualen des Braunschweiger Architekturdiploms zählte ganz wesentlich die Verteidigung der Diplomarbeiten - eine Tradition, die auch mit der Masterthesis fortgeführt wird. Verteilt über mehrere Tage präsentieren die Absolventen ihre Arbeiten vor der Professorenschaft, ihren Kommilitonen sowie interessierten Gästen und stellen dabei ihre Haltung, ihr Konzept, ihre Darstellung und ihren Entwurf zur Diskussion. Die anregende und kritische, in jedem Fall aufschlussreiche Auseinandersetzung mit diesen wesentlichen Arbeitsergebnissen der Architekturausbildung ist Treffpunkt und Lernort der Fakultät und des Jahrgangs zugleich.

Seit dem Wintersemester 1996/97 arbeiteten einige Absolventinnen und Absolventen an der jeweiligen Dokumentation der Diplomarbeiten des Fachbereichs Architektur, die beginnend mit der Ausgabe M 1:X bis zum Wintersemester 2012/13 erschien und mit den jeweiligen Semesterbänden ein nach einheitlichem Konzept gestaltetes Kompendium der Abschlussarbeiten darstellt. Eine entsprechende Folgepublikation wurde auch für die parallelen Diplom- und Masterarbeiten der darauffolgenden Semester erarbeitet.

Einen festlichen Rahmen mit Sektempfang, Reden und abendlicher Party organisierten die Jahrgänge für die Übergabe der Zeugnisse und Urkunden, bei denen die Entwürfe zusammengefasst noch einmal vorgestellt wurden. Nicht vergessen werden soll hier das lange Jahre zur Mitte der Bearbeitungszeit veranstaltete Bergfest, das in manchen Semestern auch entscheidend zum Gefühl der Zusammengehörigkeit eines Abschlussjahrgangs beigetragen haben mag.

In einem akademischen Jahr, beginnend mit dem Wintersemester Anfang Oktober, erwarben zwischen 1945 und 2015 durchschnittlich rund 70 Studierende ihr Architekturdiplom in Braunschweig. Waren die Jahrgangsstärken in der frühen Nachkriegszeit (Aufbruch) und zum Auslaufen des Diplomstudiengangs vergleichsweise klein, so wiesen die späten Neunziger und frühen Nullerjahre mit teils über 150 Personen pro Jahr die größten Abgangszahlen auf. Alleine im Sommersemester 2002 fertigten 137 angehende Architektinnen und Architekten ihre Diplomarbeit an, und aufgrund der Umstellung der Bearbeitungszeiträume gab es im akademischen Jahr 2002/2003 eine stolze Summe von 303 Absolventen.

     

Durchschnittliche Verweildauer im Studium 1945-2014. (c) gtas/Findbuch S. 73
Anzahl der Diplomandinnen und Diplomanden pro Jahr 1945-2014. (c) gtas/Findbuch S. 73

 

Arne Herbote

 

 

Weiterführend:

Department Architektur der TU Braunschweig: Diplomreader der M:x-Serie. Braunschweig 1997-2013.

14 Master /Diplom. Dokumentation der Abschlussarbeiten Department Architektur der TU Braunschweig, Braunschweig 2014.