Schule

Mit 1181 Diplomarbeiten stellten Schul- und Bildungsbauten die mit Abstand größte Gruppe der Abschlussarbeiten am Department Architektur. In der Bearbeitung dieser Bauaufgabe schwingt dabei neben der Erfüllung des Raumprogramms immer auch die Frage mit, wie und in welchen Räumen wir lernen wollen. So entwirft Helge Bofinger 1968 ein Tagesheimgymnasium, das den Schülern eine Gebäudelandschaft bietet, die mit einer mannigfaltigen Wegeführung, Treppen- und Raumfolgen zu Erkundungen und individueller Aneignung auffordert (Mega).

   

Helge Bofinger, Tagesheimgymnasium, 1968, Prof. Kraemer, Ansicht von Westen

 

Im Folgenden beschränken wir uns jedoch auf Entwürfe, die explizit die höhere Bildung in Gestaltung, Bauwissenschaft und Technik adressieren. Nicht zufällig hatte eine solche Aufgabe ihre höchste Konjunktur parallel zur Bildungsexpansion der 1960er Jahre.

Der Entwurf von Diethelm Hoffmann entwickelt sein Raumangebot im Sinne eines klar strukturierten Campus. Im Gründungsjahr der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig 1963 schlägt er für deren Behausung ein flaches, mehrere Höfe umschließendes Gebäude vor, welches seinen Kontrapunkt in einem Wohnturm für Studenten findet. Schon sechs Jahre später macht der gewachsene Raumbedarf der HbK einen Neubaukomplex mit Werkstätten und Ateliers erneut zum Diplomthema für Wilhelm Stute.

   

Diethelm Hoffmann, Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, 1963, Prof. Oesterlen, Ansicht
Wilhelm Stute, Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, 1969, Prof. Kraemer, Modell
Wilhelm Stute, Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, 1969, Prof. Kraemer, Ansicht Norden

 

Im selben Jahr 1969 und ebenfalls für Braunschweig, entwirft Uwe Schüler eine Ingenieur-Hochschule. Das für die Bearbeitung herangezogene Grundstück liegt gleich südlich des Hauptcampus der TU und beinhaltet die städtebauliche Neuordnung des Wendentorwalls (Oker). Prof. Strizic hebt in seiner Beurteilung eine "niedrige Baumasse mit terrassenartiger Abstaffelung" lobend hervor: durch das Zusammenspiel von starkem Entwurfs- Raster und kompositorischer Auflockerung werde ein "wohltuender" menschlicher Maßstab erzielt. Darüber hinaus weist auch diese Arbeit auf die reale Braunschweiger Planungsgeschichte: Mit der Ausbildung der Wohnheime als Schallschirm am südlichen Abschluss des Campus reagiert der Entwurf auf den damals diskutierten Ausbau der Wilhelmstraße zur Stadtautobahn (Auto).

   

Uwe Schüler, Ingenieur-Hochschule, 1969, Prof. Strizic, Ansicht West
Uwe Schüler, Ingenieur-Hochschule, 1969, Prof. Strizic, Grundriss

 

Zweimal seit 1945 stand die Architekturlehre selbst im Zentrum des zu gestaltenden Raumprogramms: Dietrich Fischer entwirft 1965 eine Internationale Architekturschule für Nachdiplomstudien die das gemeinsame Arbeiten im Zeichensaal ins Zentrum rückt. Luis Ziebolds Architekturschule für Braunschweig von 2013 wiederum thematisiert Begegnung und Kommunikation von Architektur und fragt nach den Veränderungen der Lehre und ihrer Raumanforderungen im Zuge des Bolognaprozesses (Curriculum, Master).

   

Dietrich Fischer, International Urban Design Centre, 1965, Prof. Oesterlen, Modell
Dietrich Fischer, International Urban Design Centre, 1965, Prof. Oesterlen, Schnitt

 

Christian v. Wissel

 

 

Weiterführend: 

Blömer, Daniel: Topographie der Gesamtschule: zum Zusammenhang von Pädagogik und Raum, Bad Heilbrunn 2011. 

Kemnitz, Heidemarie: Vom Raum in der Pädagogik, in: Hildebrandt-Stramann, Reiner/ Probst, Andrea (Hg.): Pädagogische Bewegungsräume - aktuelle und zukünftige Entwicklungen (Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft 259), Hamburg 2016, S. 16-32.