Y-Chromosom

Bis in die Achtzigerjahre hinein stand die traditionell männliche Dominanz in der Braunschweiger Architekturfakultät nicht in Frage. Dann sank der Anteil der Studenten beziehungsweise Absolventen von ehemals weit über 90 Prozent kontinuierlich ab. 1980, als erstmals eine Professur nicht mehr männlich neu besetzt wurde und Kristiana Hartmann Professorin für Architektur- und Stadtbaugeschichte wurde, waren noch rund 82 Prozent der Studierenden Männer. Mit Karin Wilhelm, Professorin für Geschichte und Theorie der Architektur und Stadt und Azade Köker, Professorin für Architekturbezogene Kunst, folgten ab 2001 weitere Frauen dem Ruf an die Architekturfakultät der Technischen Universität Braunschweig. Der männliche Anteil an den Diplomandinnen und Diplomanden war im Jahr 2003 auf etwa 50 Prozent geschrumpft, als erstmals in Person von Gabriele G. Kiefer, Professorin für Landschaftsarchitektur, eine Referentin Diplomarbeiten benotete.

Statistisch betrachtet waren seitdem Studenten und Absolventen im Studiengang Architektur meist in der Minderheit. Durch Almut Grüntuch-Ernst in der Gebäudelehre und Vanessa Miriam Carlow im Städtebau weitete sich in den letzten Jahren die Möglichkeit, Abschlussarbeiten an weiblich geleiteten Lehrstühlen anzufertigen. In den hier betrachteten sieben Dekaden betrug der Anteil der Männer an den Absolventinnen und Absolventen insgesamt rund 68 Prozent. Unter den Professorinnen und Professoren, die als Erstprüferinnen und Erstprüfer beziehungsweise Referentinnen und Referenten Diplomaufgaben bewerteten, waren 3 Frauen und 37 Männer.

     

Verteilung der Geschlechter. (c) gtas/Findbuch S. 149

 

Arne Herbote