Band

Die Entwürfe aus über 70 Jahren Studium am Department Architektur sind so vielseitig wie es die Zahl der Absolventen und Aufgabenstellungen erwarten lassen. Dennoch sei hier der Versuch gemacht, das Kompositionsprinzip des Bandes herauszugreifen und exemplarisch durch die Zeiten und durch eine Fülle an Interpretationen zu verfolgen.

Das Band lässt sich tendenziell als ein der städtebaulichen Perspektive zugewandtes Ordnungsprinzip deuten. So inszeniert Jonathan Schuster seine Pariser Fashion Academy 2014 ganz bewusst als verbindende Abfolge von Gebäuden und Plätzen, als Passerelle urbaine. In Silke Lubahns waterfront living von 2004 fügt sich das Band als linearer Park unter die Streifen der geplanten Bebauung und wirkt sowohl als Rückgrad der Stadterweiterung als auch als Brückenschlag zur bestehenden Siedlungsstruktur Rotterdams. 

 

Jonathan Schuster, La passerelle urbaine, 2014, Prof. Staab, Axonometrie
Silke Lubahn, Rotterdam Waterfront Living, 2004, Prof. Brederlau, Perspektive

 

Eine zweite Arbeitsthese formuliert die Annahme, dass bandartige Gestaltungsansätze dem Versuch zuzuschreiben sind, den Gegensatz von Freiheit und Ordnung in der Komposition zu überwinden. Thomas Reglitzki entlässt 1988 für seine Akademie für Film und Fernsehen in Köln die verschiedenen Funktionen der Schule in einzelne Grundformen (Q-bus Kurve), deren Zusammenhalt dank einer verbindenden Gerüststruktur dennoch gewahrt bleibt. Für ihre Gedenkstätte Berliner Mauer am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur stärkt Carolin Kleist 2008 das Erlebnis der "historischen Narbe" in dem sie die Leere des Mauerstreifens als Parkband rahmt und zugleich durch "thematische Klammern" überwindet (Kleist). Verschiedene Funktionen, Blicke, Baukörper werden so zu einer Einheit und deren Abfolge im Raum zusammengefügt.

 

Thomas Reglitzki, Akademie für Film und Fernsehen in Köln, 1988, Prof. Wagner, Modell
Carolin Kleist, Gedenkstätte Berliner Mauer, 2008, Prof. Kiefer, Lageplan (Ausschnitt) und Detailschnitt

 

Als kompositorisches Gerüst versucht das Band im besonderen Maße Architektur und Stadt aus der Bewegung heraus zu begreifen. Raum und Körper werden nicht (nur) als Elemente sondern in ihrem spezifischen Rhythmus wahrgenommen (Schreiten). So entwickelt Simon Paulus das Kulturforum Graz 1999 als Sequenz von Bildträgern entlang der Mur. Seine Plangrafik repräsentiert die enge Beziehung von Raumbewegung und Medienfassade, indem sie Flussgrundriss und Gebäudeansichten überlagert (Perspektive). Stefanie Küchenmeister wiederum stellt 1993 den Weg selbst ins Zentrum ihres Entwurfs. Ihre Sammlung Grothe Museum für Gegenwartskunst besteht aus zwei "linearen Bildschienen" die einen "Bewegungssteg" umschließen, um so Außen und Innen miteinander zu verzahnen (Küchenmeister).

 

Simon Paulus, Kulturforum Graz, 1999, Prof. Szyszkowitz, Grundrisse, Schnitte und Ansicht
Stefanie Küchenmeister, Sammlung Grothe. Museum für Gegenwartskunst Bremerhaven, 1993, Prof. von Gerkan, Lageplan

 

Christian v. Wissel